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Rennsport Quo vadis anno domini 2010 ?

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Rennsport Quo vadis anno domini 2010 ?

Der Galopprennsport in Deutschland macht schwere Zeiten durch und eine Grundberührung ist noch nicht in Sicht, so fasste es ein Aktiver am Wochenende zusammen.

 

woeste0001 Bis zum 11. April 2010 war ein „Ultimatum“ gesetzt worden, nachdem aus dem Sport 250.000 € aufgebracht werden müssten, damit ein B-Plan greifen könnte, der für Kompensation des ausgefallenen Frühjahrsmeeting in Iffezheim sorgen könne. Am heutigen Vormittag 13ter April war von Seiten des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V. (DVR), von dem der B-Plan erarbeitet wurde, keine vormittägliche Stellungnahme zu erhalten, die Presseabteilung konnte ein Zustandekommen weder bestätigen noch dementieren. Das Thema ist Chefsache von Albrecht Woeste, eine Anfrage über das Sekretariat des DVR bleib bis zum Erscheinen dieser Meldung unbeantwortet.

 

 

Eine weitere Baustelle ist der Betrieb der Galopprennbahn in Iffezheim, vor den Toren des Weltbads Foto: Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH Baden-Baden, hier wird mit harten Bandagen um eine Lösung gerungen. Die Gemeinde Iffezheim, als Erbpachtgeber muss und ist dem Allgemeinwohl verpflichtet und der Verhandlungspartner die Schweizer Infront AG, hinter der als Eigner Dr. Andreas Jacobs jacobs0001 steht, seines Zeichens Erbe des Gestüts Fährhof und weitere Gestüte in England und Südafrika, ist ein harter Businessvertreter. Die beiden Parteien sind sich im allgemeinen wohl einig, aber der Teufel steckt im Detail. Das Verfahren hängt in der Luft und nach Informationen der Süddeutschen Zeitung kann es dazu kommen, dass es bis zum 22. April 2010 zu keiner Einigung kommen wird. Dieses Datum ist von Bedeutung, da es den Endpunkt einer 8-Wochenfrist darstellt, innerhalb dieser Zeit muss gemäß Planinsolvenzverfahren ein Pachtvertrag abgeschlossen sein, ansonsten kommt es zu einer Regelinsolvenz, die eine Abwicklung im Focus hat, entgegen der im Moment noch laufenden Planinsolvenz, die den Fortbestand sichern soll. werlerpeter0001 Die Süddeutsche zitiert Peter Werler Bürgermeister des betroffenen Gemeinde Iffezheim wie folgt: "Die Gemeinde hat in vielen wichtigen Dingen nachgegeben, aber auch wir haben unsere Schmerzgrenze. Die Gefahr, dass in diesem Jahr keine Rennen stattfinden, ist schon gegeben."

Dies wäre ein weiterer Tiefpunkt in der Entwicklung des Galopprennsports in Deutschland, einer der Streitpunkte könnte wohl sein, das Vertreter von Infront gegenüber ortsansässigen Eigentümern im Umfeld der Galopprennbahn Iffezheim davon gesprochen haben, das die Trainingsanlage nicht zu halten sei und dem wirtschaftlichen Betrieb des Rennbahnareals entgegen stehen würde.

infront0001Einer entsprechenden Anfrage von Galopp-Notizen wurde von Seiten Infront wie folgt geantwortet:  „Da die Verhandlungen hinsichtlich der Übernahme noch nicht abgeschlossen sind, möchten wir uns zu den Details für den weiteren Betrieb der Rennbahn derzeit nicht äussern. Sobald wesentlichen vertraglichen und betrieblichen Aspekte geklärt sind, werden wir natürlich gerne Stellung beziehen. Zum jetztigen Zeitpunkt käme dies aus unserer Sicht etwas verfrüht“, so Jörg Polzer, Associate Director, Communication & PR Infront Sports & Media AG, Zug (Schweiz).

iffezheim0001Von Seiten der Gemeinde Iffezheim bekamen wir zu diesem Punkt nachfolgende Stellungnahme: „Es gibt überhaupt keine Planungen, den Trainingsbetrieb einzustellen, das ist kompletter Unfug!“ so Peter Werler in seiner Funktion als Bürgermeister, und weiter „ Das Gegenteil ist der Fall. Die Gemeinde hat vor längerer Zeit schon die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Erweiterung der Trainingszentrale geschaffen. Es arbeiten derzeit elf Trainer hier mit über 200 Pferden, das werden wir nicht aufs Spiel setzen. Das Rennbahngelände ist komplett im Besitz der Gemeinde und wir werden in den laufenden Pachtvertragsverhandlungen mit Herrn Dr. Jacobs / Infront den Trainingsstandort Iffezheim sichern, auf keinen Fall steht dieser in Frage! Ich sehe den Standort Iffezheim sowohl als Galopprennsportstandort und als Trainingszentrale auf einem sehr guten Weg in die Zukunft. Ich verspreche mir vom Engagement von Herrn Dr. Jacobs und seiner Firma Infront erhebliche Impulse, die sich sicherlich auch auf den gesamten deutschen Rennsport insgesamt positiv auswirken werden.

hefterwerner0001 Werner Hefter äußerte sich als einer der wenigen betroffenen Trainern, zu diesen Vorgängen: „ Die aktuelle Situation in Iffezheim ist durch die Insolvenz des Internationalen Clubs bestimmt nicht einfach, allerdings wird es eine Schließung der Trainingszentrale nicht geben. Die Trainingszentrale Iffezheim beherbergt über 200 Pferde und verfügt über beste Traingsbedinungen sowie kurze Wege zu den Rennbahnen im benachbarten Frankreich. Die Trainingsbahn wurde erst vor vier Wochen durch das Engagement unserer Besitzer und durch uns saniert. Eine Einstellung des Traingsbetriebes wird es auch mit der Gemeinde Iffezheim nicht geben. Der Standort Iffezheim als Trainingszentrale und Premium-Rennbahn wird weiterbestehen. Durch die neuen Betreiber der Rennbahn erhoffen wir uns nun eine professionelle Vermarktung des Produktes Galopprennen auf einer der schönsten Rennbahnen Europas!“ Werner Hefter mit Herzblut und Engagement weiter: „Sollten Sie für Ihr Pferd optimale Trainingsbedinungen und kurze Anfahrtswege zu den internationalen Rennen insbesondere in Frankreich suchen, heisst Ihr Trainingsstandort "Iffezheim"!

 

 

In der letzten Dekade hat sich der Galopprennsport auf ein knappes Drittel seiner ehemaligen Größe reduziert. Und es war die Rede davon, dass der Bodensatz erreicht sei, aber weit gefehlt. Die Konzepte zerplatzen wie Seifenblasen, die Rennveranstalter können vor Schulden und operativen Fehlentscheidungen kaum noch ihren Verpflichtungen nachkommen. Beispielhaft sei die Situation in Iffezheim, vor den Toren des weltberühmten Baden-Baden aufgezeigt. Dort ist der Rennclub seit 1872 (vor 138 Jahren) eingetragen unter „Internationaler Club“ in die Insolvenz gegangen. Die vom Club in Iffezheim betriebene Galoppsportanlage war von der Gemeinde in Erbpacht  übernommen worden, es sind dort einvernehmliche Investitionen sowohl vom Club als auch von der Gemeinde getätigt worden, um den Standort zu sichern. Doch seit nunmehr mehr als 10 Jahren bricht das Geschäftsmodell Galopprennsport Stein um Stein zusammen, Grund ist das Geschäftsmodell. Der Rennverein organisiert die Veranstaltung, sorgt für eine angemessene Finanzierung, die Aktiven stellen die besten Pferde zur Verfügung und die Besucher genießen den Service und Wetten. Und genau bei dem letzten Punkt ist das Gesamtkunstwerk Galopprennsport ins Straucheln gekommen und hat bildlich verweigert (in den guten alten Zeiten gab es neben den Flachrennen auch Hindernisrennen und wenn Pferd und Reiter ein Hindernis nicht meistern konnten, nannte man das verweigern).

huerdenrennen Wie muss sich der Außenstehende diese Verweigerung vorstellen? Um das Wettgeschäft  zu betreiben, bedienten sich die Rennvereine sogenannter Wettvermittler, umgangssprachlich Buchmacher. Diese Buchmacher suchten nach Wegen Ihre Umsätze und vor allem die Margen zu erhöhen und fanden den Weg der Auslandsvermittlung, das heißt ein Buchmacher nimmt eine Wette in Deutschland auf ein in Deutschland stattfindendes Pferderennen an, gibt diese Wette aber nicht an den veranstaltenden Rennverein weiter, sondern an einen Unternehmer in einer Steueroase, wie Gibraltar, Malta oder Bosnien. Meist sind die Inhaber dieser ausländischen Unternehmen identisch mit den Buchermachern in Deutschland, geschickt verschleiert über das örtliche Unternehmensgesetz. So wurden und werden die Erträge der Veranstalter bewusst verkürzt, bis zur Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz. Diese Praxis wird nunmehr seit einer Dekade betrieben. Die Rennvereine oder Veranstalter sind ausgeblutet. Konzepte, Gespräche hat es unzählige gegeben, aber alles nur Lippenbekenntnisse. Seit nunmehr knapp 3jahren versucht der Dachverband, das DVR ein eigenes Konzept zu realisieren. Im ersten Anlauf sollten Partner 30 Mio€ in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen, Zweck wäre die Vermarktung von Galopp- und Sportwetten gewesen, um die dann „ehemaligen“ Partner (Buchmacher) mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, wobei es schon viel Fantasie bedurfte zu verstehen, warum zu diesem Zweck genau die gleichen illegalen Kniffe angewandt werden sollten, nämlich die Wetten über „Steuerparadise“ vorbei am deutschen Fiskus zu verwalten, mit den Erlösen sollte der Galopprennsport saniert werden. Warum einfach wenn es auch kompliziert gehen könnte. Dieses Vorgehen ist im Rahmen der weltweiten Finanzkrise so schnell zerplatzt, wie es erdacht worden war.

 

buchmacher0001 Der Gedanke einer starken Opposition gegen die Buchmacher blieb wach, wurde zur damaligen Zeit von einem Vorstandsmitglied des DVR mit propagiert. In Person von Paul von Schubert, seines Zeichens Vorstandsmitglied im DVR und gleichzeitig aber auch an einem Buchmacherunternehmen über einer seiner Firmen beteiligt, trat ein vehementer Befürworter auf das Schlachtfeld. Schnell wurde das erste Konzept verkleinert, nunmehr waren 15 Mio€ im Munde der Befürworter, da aber zu befürchten war, dass dies eine zu große Hausnummer sein würde, zog man eine untere Reisleine von 4 Mio€ ein. Aber auch diese Summe war nur durch Verlängerung der Zeichnungsfrist um mehr als 1en Monat zu realisieren. In der Zwischenzeit sind Begleiterscheinungen, dieser Vorgänge zu Tage getreten, die das gesamte Unternehmen in einem schummrigen Licht erscheinen lassen. Von der akquirierten Summe von 4Mio € wurden knapp 10% als Gründungsvorkosten an die Konzeptersteller überwiesen, bei erfolgreicher Akquisition von 15Mio € wäre die Summe nur unwesentlich höher ausgefallen nämlich ca. 3% von 15Mio €. So blieben noch ca. 3,6Mio € übrig, aber auch diese Summe reduzierte sich um weitere 3Mio €, die oben bereits genanntes Vorstandsmitglied Paul von Schubert für das von seiner Firma Deutscher Sportverlag gehaltene Paket an der Buchmacherfirma racebets.com, erhalten sollte. Die Verträge sind am 7ten April 2010 unterschrieben worden, es ist davon auszugehen, dass das aktuelle Vermögen sich auf Barmittel von unter 500T € beläuft. Einzige Einnahmequelle wären, die Erträge aus der neuen Beteiligung und wann die die Kasse auffüllen, weiß nur der Gesellschaftervertrag.

germanracingDamit ist German Racing, so heißt die gegründete mit knapp 500T € an Barmitteln ausgestattet, soll damit die Strukturen der Galopprennveranstaltungen Bundesweit verbessern, zentrales Marketing machen und neue Kunden werben, ein ambitioniertes Unterfangen. Ein Pressetermin Ende März 2010 wurde kurzfristig 48 Stunden vor Veranstaltungsbeginn annulliert, hier sollte der Presse ein spezielles Presse-Portal vorgestellt werden. Es blieb im verborgenen warum der Termin annulliert wurde, ein neuer ist für den 30ten April 2010 neu aufgesetzt, ein Monat verloren im Kampf um die Berichterstattung, aber das ist symptomatisch für die Marketing Aktivitäten rund um den Galopprennsport.

Es bleibt immer noch die Frage offen - Rennsport Quo vadis anno domini 2010 ? -


 

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